Startseite Biographie Primärliteratur Sekundärliteratur Magisterarbeit Links Kontakt


Internetseite über den Dichter Stephan Hermlin


Stephan Hermlin gilt als einer der anerkannten und wichtigen Schriftsteller der DDR. Sein Werk erstreckt sich über zahlreiche Gattungen. Er trat als Erzähler, Lyriker, Übersetzer, Herausgeber und prononcierter Kritiker ebenso in Erscheinung wie als Verfasser von Reportagen, eines Hörspiels und einer Nacherzählung. Darüber hinaus wirkte er im Rundfunk. Einige seiner Erzählungen wurden durch die DEFA verfilmt. Hermlin engagierte sich in zahlreichen Gremien und Vorständen aktiv auf dem kulturpolitischen Felde und in der internationalen Friedensbewegung. Er bekleidete zeitweise einflußreiche Positionen im Vorstand des Schriftstellerverbandes der DDR, als Sekretär der Sektion Dichtkunst und Sprachpflege in der Akademie der Künste der DDR und als Vizepräsident des internationalen PEN.

Die Beurteilung und intellektuelle Wertschätzung Stephan Hermlins durch Zeitgenossen und Kenner seines Werkes ist zwiespältig und schwankt zwischen persönlicher Bewunderung auf der einen und unverhohlener Ablehnung auf der anderen Seite. Er wird dargestellt als "literarisch kenntnisreicher Essayist und Kritiker, als Vermittler französischer und südamerikanischer Dichtung und nicht zuletzt auch als Poet, der die erlesene sprachliche Gebärde liebt und beherrscht..." oder als "sozialistischer Grandseigneur" . Auf der Gegenposition stehen Bemerkungen über seine angebliche "Kälte" und "Unnahbarkeit"; Schmähschriften, er hätte "einen tüchtigen Beitrag zur Verfälschung der Wirklichkeit geleistet" (wie soll man das eigentlich bewerkstelligen?), sei "Propagandist eines verbrecherischen Systems" oder er wird als "pfeiferauchende Sphinx" bezeichnet, welche die "Kunst der Insinuation" wie keine zweite beherrsche. Diese Ambivalenz wurde insbesondere im Streit um die Biographie Karl Corinos deutlich. Die heftig geführte Debatte, die teilweise ein erschreckend niedriges Niveau erreichte, schied Freund und Feind Hermlins deutlich. Nicht zuletzt zeugen markante Fehlstellen von der "Dimension des Autors". Es gibt beispielsweise in den veröffentlichten Gedichten Hermlins kein dezidiertes Liebesgedicht. Elemente des Komischen sind in seinem Werk nicht präsent. Seine Reden, (veröffentlichten) Interviews und Essays sind von einer konzentrierten Ernsthaftigkeit, die nur wenig Raum für Anekdotisches, Abschweifendes lassen.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Autor und Werk erfolgte bislang in einem überschaubaren Rahmen. Einige der Arbeiten gehen unter einem jeweils besonderen Fokus gattungsbezogen vor (Ertl, Sobotka, Ohlerich ), versuchen eine Generalisierung (Werner), untersuchen Aspekte der Rezeptionsgeschichte (Ende) oder nähern sich dem Autor biographisch (Schlenstedt, Corino). Es fehlen mithin neue Forschungen über diese zentrale Figur in der DDR-Kultur, insbesondere dezidierte Analysen über Hermlins offizielles wie inoffizielles kulturpolitisches Wirken, eine systematische Erschließung seines Nachlasses, textkritische Analysen neueren Datums ebenso wie rezeptionsgeschichtliche Arbeiten.

In diesem Zusammenhange sind die widersprüchlichen Angaben über die Biographie Hermlins bemerkenswert. Weder Schlenstedt noch Corino genügen hierbei wissenschaftlichen Standards. Die Biographie Schlenstedts, die wohl eher eine Werk-Monographie genannt werden muß, nähert sich Hermlin vornehmlich politisch-ideologisch. Mit dem Ende des Bezugssystem ist jedoch diese Biographie selbst historisch geworden. Corino wiederum blickt ebenfalls durch eine (wenn auch anders gefärbte) ideologische Brille auf seinen Untersuchungsgegenstand. Durch die Gleichbehandlung ästhetischen und dokumentarischen Materials und der recht tendenziösen Heranziehung subjektiv gefärbter Quellen läßt er sich zu menschlich desavouierenden Passagen hinreißen, die weder Hermlin noch dem Begriff Biographie gerecht werden.


 

 

 

letzte Pflege: 28.08.2011 (Ein Link bei der Sekundärliteraturseite korrigiert.)



Website über Goethe und Napoleon



Impressum


Für diese Website ist Wolfram Mach verantwortlich. Sie erreichen mich unter stephan@hermlin.de.

Für Webseiten, auf die ich außerhalb der Domain hermlin.de verlinkt habe, bin ich in keiner Art und Weise verantwortlich.